• Heike Göltenboth

Mein bester Freund



Mein bester Freund, der mich ein Leben lang begleitet. Er spricht mit mir, und wenn ich ihn nicht beachte, ist er schon auch mal sauer und lässt es mich auch spüren. Dann, spätestens dann sollte ich mich dringend um ihn kümmern: um meinen Körper. Mein Körper, das Haus, in dem ich wohne. Mein Tempel. Er verdient nur das Beste. Trägt er mich doch 24 Stunden täglich ohne Pause viele, viele Jahre durch dieses Leben.


Wenn ich meinen besten Freund ausnutze, kann es schon mal passieren, dass er mir deutlich sagt, was ihm missfällt. Ich verstehe manchmal nicht, was er mir sagen will. Aber ich kann versuchen, gut hinzuhören. Er mag nicht gerne ignoriert werden, dann meckert er nur umso lauter.

Heute Morgen hat sich mein Freund beschwert. Irgendwie war der Wurm drin. Die Arme, die Schultern, sie wollten nicht so, wie ich gerne wollte. Nach meinen sanften Streckungen noch im Bett ging es ein bisschen besser, das habe ich schon vor Jahren den Katzen abgeschaut. Nie würden sie sich von ihrem Platz erheben, ohne die Muskeln zu aktivieren.


Aber das war nicht genug. Mein Körper hat nach Meer verlangt. Ich habe das unbeschreibliche Glück, direkt aus dem Haus an den Strand gehen zu können. Der Hausschlüssel hängt am Handtuch, das ich mir um die Hüften schlinge.


Um 8 Uhr bin ich noch fast allein am Strand. Mit jedem Schritt meiner Füße durch den schon warmen Sand steigt mein Gute Laune Barometer. Denn auch das war heute Morgen eher mittelmäßig. Es fällt mir schwer, körperliche Einschränkung gelassen hinzunehmen. Ich gehe zu meiner Lieblingsstelle, an der der Grund nach einer anfänglich tiefen Stelle wieder ansteigt. Die wellenförmigen Muster im hellen Sand scheinen zart durch das kristallklare Wasser, in dessen Farbe ich mich völlig verlieren kann.



Ich tauche ein, ganz und gar. Körper im Wasser, ohne den Kopf einzutauchen – das ist unvorstellbar für mich. Ich öffne die Augen unter Wasser, türkisblau. Türkis, mit dem zarten Sandton im Hintergrund. Eine göttliche Kreation.

Mein Körper ist so viel entspannter als zuvor! Auch meine Stimmung ist deutlich verändert. So steige ich aus Wasser und mache mich auf den Rückweg.


Da springt eine kleine Gruppe junger Leute an den noch immer fast leeren Strand. Zwei der Frauen juchzen, als sie das Wasser mit den Füßen berühren. Ich spüre so sehr ihre Freude, am Meer zu sein, sie müssen es so vermisst haben! Ich wünsche ihnen einen wunderschönen guten Morgen und wir kommen ins Gespräch: ja, sie sind eben erst angekommen und sind glücklich, nach langer Zeit endlich wieder im Urlaub zu sein!

Noch eine Stunde zuvor war ich in einem Zustand von Anspannung, nun fühle ich mich wieder entspannt, ausgeglichen und mein Kelch ist gefüllt. Gefüllt mit der Energie der Erde, die ich beim Barfußlaufen erhalten habe, mit den Farben und der Frische des Meeres und mit der Freude der Menschen.


Und am Anfang stand meine Entscheidung, die die Antwort auf die Frage war:

Was ist es, was mein Körper und meine Seele jetzt brauchen?


Herzlichst, Eure Heike

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